Therapiefehler bei Rekonstruktion der
Beugesehne
Die rekonstruktive Chirurgie einer durchtrennten
Beugesehne ist ein technisch schwieriger Eingriff, der auch bei
sachgerechter Durchführung oft ein für den Verletzten unbefriedigendes
Resultat hinterlässt.
Ärztliche Standards bei der Rekonstruktion der
Beugesehnenverletzung sind:
Adäquate Anästhesie
(d.h. der gesamte Arm muss betäubt sein. Eine
lokale Betäubung der Verletzungsstelle selbst reicht bei der
Rekonstruktion nicht aus.) Adäquate Anästhesien sind beispielsweise
Vollnarkose, Plexusanästhesie....
Blutleeres Operationsgebiet:
Bis auf die seltenen Kontraindikationen
muss der Eingriff zur Rekonstruktion einer Beugesehne in blutleerem Feld
erfolgen. Nur so können störende Blutungen und schlechte Übersicht
bei der Rekonstruktion gemieden werden.
Adäquate Anästhesie und blutleeres
Operationsgebiet sind anerkannte Standards in der Behandlung einer
Beugesehnenverletzung.
Behandlungsfehlervorwürfe lauten oft:
-
Keine sofortige Behandlung:
I
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deal ist es, eine
Verletzung im Bereich des Hautmantels in den ersten 6-8 Stunden
durch Naht zu schließen,
-
Auch bei einer
darunter liegenden Verletzung ist es ideal, wenn die darunter
liegende Verletzung innerhalb der ersten 6-8 Stunden
rekonstruiert und dann die Haut verschlossen wird.
Da die Beugesehnenchirurgie jedoch ein hohes Maß an Qualifikation
und persönlicher Erfahrung an das Operationsteam stellt und auch
einen hohen Organisationsaufwand erfordern kann, ist es auch
möglich, in den ersten 6-8 Stunden die Wunde mit adaptierenden
Nähten zu versorgen und innerhalb der ersten 14 Tage die
Beugesehnenrekonstruktion mit aufgeschobener Dringlichkeit zu planen
und durchzuführen.
Die handchirurgische Erfahrung hat gezeigt, dass auf diese Weise
rekonstruierte Beugesehnen im Ergebnis durchaus mit jenen
vergleichbar sind, die in den ersten 6-8 Stunden operativ versorgt
werden.
Sehr ungünstig ist es, Beugesehnenverletzungen erst nach 3/4 Wochen
oder noch später zu versorgen. Hier ist dann oft eine
Sehnentransplantation notwendig, da eine primäre Naht der Sehnen
nicht mehr gelingt.
Bei einer operativen Versorgung in den ersten 14 Tagen ist in aller
Regel bei glatter Durchtrennung der Beugesehnen eine direkte Naht
der Sehnenstümpfe möglich.
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Naht nur einer Sehne:
In Lehrbüchern findet man oft die
Forderung, dass beide Beugesehnen genäht werden sollen. Dies ist
zweifelsohne auch der Idealfall.
Gerade im Bereich der Finger kann es jedoch völlig sachgerecht sein,
wenn nur eine (die tiefe Beugesehne) genäht wird. Hier verlaufen im
Bereich der Finger die Sehnen in einem engen Sehnenkanal. Die
zusätzliche Naht der zweiten Sehne kann dazu führen, dass das
Gleiten der Sehne in dem engen Sehnenkanal nicht mehr möglich ist
oder erschwert wird. In solcher Situation ist es völlig
gerechtfertigt, nur eine (die tiefe Beugesehne) zu nähen.
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Übersehen einer begleitenden Nervenverletzung:
Bei blutleerem Operationsgebiet und bei adäquater Anästhesie können
während der Beugesehnenchirurgie begleitende Nerven- und auch
Gefäßverletzungen gesehen werden. Verletzungen der Nerven können
beim kooperativen, verständigen Patienten in der Regel auch bereits
präoperativ erkannt werden. Ihre Mitversorgung ist unbedingt
geboten. Gerade Nervenverletzungen können schwerwiegende Folgen nach
sich ziehen. Diese bestehen nicht nur in einem Sensibilitätsverlust
im abhängigen Versorgungsgebiet, sondern auch in der Entwicklung von
Neuromknoten. Hierunter versteht man Wucherungen des durchtrennten
Nervenendes. Diese führen bei Berührung zu elektrisierenden
Schmerzen.
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Die nebenstehende Abb. zeigt
die enge topografische Nachbarschaft zwischen den Beugesehen
(weiß) und den Gefäßen (rot) sowie Nerven (gelb)
Die Mitversorgung durchtrennter Nerven
ist unbedingt geboten!
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in Kürze:
Die Notwendigkeit einer operativen Behandlung eines
Beugesehnenrisses ist zwingend, will man den Funktionsverlust (völlige
Beugeunfähigkeit des Fingers) nicht akzeptieren.
Die Beugesehnenchirurgie ist ein äußerst
subtiler, nicht einfach zu beherrschender Eingriff. Auch bei erfahrenen
Handchirurgen kann es zu schlechten Resultaten kommen
Die Einhaltung Handchirurgischer
Therapiestandards ist essentiell, um das Risiko eines unbefriedigenden
Resultates zu minimieren!
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